Sonntag, 13. Januar 2013

*Rezension* Die Plantage oder auch die 900 längsten Seiten meines Lebens und ein unbefriedigendes Ende

Quelle: dtv
Titel: Die Plantage
Autorin: Catherine Tarley 
Einzelband
Ausgabe: Taschenbuch
 Verlag: dtv
  Erschienen: 01.12.2012
 Sprache: deutsch
  Originaltitel: - 
  Seitenzahl: 880
  Preis: 16,90 € (D) 
  ISBN: 978-3-423-24943-0
Quelle: dtv
South Carolina, 1781. Die junge Witwe Antonia Lorimer lebt allein auf ihrer vom Krieg zerstörten Plantage Legacy. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Anwesen wieder aufzubauen und einen verwundeten britischen Soldaten gesund zu pflegen: William Marshall. Dass ausgerechnet er in den Kriegswirren ihren Mann Henry erschossen hat, weiß sie nicht. Und so lässt sie sich immer mehr in den Bann dieses außergewöhnlichen Mannes ziehen. Ein Epos aus dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Die Menschen sind verwundet an Körper und Seele, das Leben ist geprägt von Verlust und roher Gewalt, aber auch von einer unerschöpflichen Aufbruchsstimmung und der Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

 
Ein historischer Roman über den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg mit einer emanzipierten Protagonistin erwartete ich nach der Leseprobe. Die Geschichte fesselte mich bereits nach diesen wenigen Seiten der Leseprobe und ließ mich gespannt darauf warten, die Geschichte weiterlesen zu können.

Leider wurde ich nach der vielversprechenden Leseprobe von den Buch ziemlich enttäuscht. Nach und nach wurde aus dem spannenden Anfang eine Geschichte, die sich immer mehr unnötig in die Länge zog.

Um mal mit dem Schreibstiel von Catherine Tarley zu beginnen: Er ist weder berauschend schön noch grottenschlecht - er ist einfach nicht besonders. In die Zeit des amerikanischen Unabhängigkeitskrieg konnte man sich allerdings sehr gut durch diesen hineinversetzen, da der Schreibstiel sehr historisch angehaucht ist.

Neben dem historischen Schreibstil kann man sich auch sonst sehr gut ins 18.Jahrhundert versetzen. Dass die Autorin sich gut mit dieser Zeit auskennt, merkt man während des Lesens. Mit ihren Recherchen hat sie sich sichtlich Mühe gegeben.

Ich muss zugeben, dass ich die Charaktere zu Anfang sehr gerne mochte. Antonia versucht nach dem Tod ihres Mannes ihre Plantage weiterzuführen und gibt sich auch sonst sehr emanzipiert, was zu dieser Zeit wohl sehr selten war. Besonders dadurch hatte sie meine Anerkennung. Mit der Zeit entwickelt sie sich aber immer mehr zu einer Frau, die nicht mehr ohne einen Mann an ihrer Seite auskommt. Das finde ich wirklich schade. 

Anders als ich zuvor erwartet habe, wird "Die Plantage" nicht nur aus Sicht von Antonia erzählt. Viele andere Charakter kommen ebenfalls, in einem ihnen extra gewidmeten Kapitel, zur Sprache. Gut gefallen hat mir an dieser Erzählweise, das man viel über die Vergangenheit der einzelnen Charakter erfahren hat. Man erfährt, was sie bereits alles durchleben mussten und kann dadurch besser verstehen, warum sie so geworden sind wie sie sind.

Aber obwohl ich nachvollziehen konnte, warum die Personen sich so entwickelt haben, waren die meisten mir dennoch unsympathisch. Einzige Ausnahme ist William. Seine Kapitel fand ich definitiv am interessantesten. Was er getan hat, konnte ich zwar auch nicht gutheißen, es ihm aber wenigstens verzeihen. Und das was ihm passiert ist, ist wirklich schlimm. Dass er dadurch Schaden getragen hat, ist nur natürlich. Deshalb konnte ich zwar einige seiner Entscheidungen nicht nachvollziehen, aber ich wusste, dass er einen Grund hatte.

Während des Lesens gab es für mich einige Hoch- und viele Tiefpunkte. An manchen Stellen war ich wirklich total gefesselt und wollte unbedingt wissen wie es weiter geht. Das war allerdings nur selten der Fall. Der größte Teil des Romans zieht sich nämlich sehr in die Länge. Man hat das Gefühl man tappe auf der Stelle und erwartet einfach nur noch sehnlichst das Ende. Ich bin überzeugt, dass mir das Buch deutlich besser gefallen hätte, wenn es nur halb so lang gewesen wäre.

Wendungen gibt es im Buch einige. Allerdings kann ich nicht sagen, dass mir diese gefallen haben. Für mich wurden sie immer mehr zu Umwegen, die die Handlung nocheinmal unnötig in die Länge gezogen und das Ende nur weiter in die Ferne gerückt haben.

Am Schlimmsten war für mich allerdings das Ende. Nachdem ich die letzten Seiten gelesen hatte, habe ich mich wirklich gefragt, ob das gerade die selben Charaktere waren, die ich zu Beginn kennengelernt hatte. Man kann der Autorin wirklich nicht vorwerfen, dass ihr Ende nicht überraschen wäre. Ganz im Gegenteil! Dafür ist es einfach unbefriedigend. Die Charaktere wirken wie ausgewechselt. Wofür habe ich die letzten 860 Seiten gelesen, die Suche der Charaktere nach dem Glück und ihren unerbitterlichen Kampf für ihre Ziele verfolgt, wenn mir die Autorin dann dieses Ende vorlegt? Haben die Charaktere auf den letzten 20 Seiten irgendwelche Gedankenverändernde Pillen genommen, damit sich ihre Meinung, ihre Ziele, einfach alles ändert? Nein, wirklich nicht, das Ende war überhaupt nichts für mich. Ich brauche ja nicht unbedingt ein Happy End, aber ich will ein in sich logisches Ende, dass die Geschichte richtig beendet! 
 
Der Schreibstil, der größte Teil der Charaktere und die sich ewig ziehende Handlung konnten mich schon nicht überzeugen. Was die Autorin allerdings mit dem Ende bewirken wollte, ist mir absolut schleierhaft. Für den Blick hinter die Kulissen der Protagonisten und die historische Einwandfreiheit gebe ich 1½ Leseblüten ohne Leseempfehlung.


 Die Leseprobe zum Buch findet ihr hier.

Das Cover kommt mit dem vergilbten Papier als Hintergrund wunderbar historisch daher. Desweiteren sieht man in der unteren rechten Ecke einen Teil der Amerikanische Unabhängigkeitserklärung, sowie oben ein historisches Gebäude, dass das Haupthaus der Plantage Legacy darstellt. Schöner als der Inhalt ist das Cover allemal.
Ein Dankeschön an dtv für das Leseexemplar und an vorablesen.

Kommentare:

  1. Huch, ich habe auch ganz viel vom Buch erwatet. Ich wollte mich eigentlich auch bei vorablesen bewerben, habe aber die Seitenanzahl bemerkt, die mir etwas suspekt waren. 860 Seiten sind doch schon eine ganze Menge.
    Aber wenn du sagst, dass das Buch leider nicht so der Burner war, werde ich das Buch eher nicht lesen.
    Trotzdem eine tolle Rezension!

    Liebe Grüße,

    MissX

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    1. Hätte ich die Seitenanzahl vorher bei Vorablesen gesehen, hätte ich mich wohl auch nicht für das Buch beworben^^ Ich war total überrascht, als das dicke Päckchen bei mir ankam :P

      Also empfehlen kann ich dir das Buch wirklich nicht. Es sei denn, es geht dir nur um den historischen Hintergund... Wobei sich da wahrscheinlich andere Bücher finden lassen, die kürzer und besser sind ;)

      LG Filo

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  2. Bei mir hat es immerhin noch für 3/5 Punkte gereicht. Sage ich im Moment. Die Rezension ist auch noch nicht so ganz fertig ;)

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    1. Bis ich die Rezension geschrieben habe, war ich mir auch nicht ganz sicher was ich dem Buch geben möchte. Aber nachdem ich dann besonders von dem Ende echt gefrustet war, sind es jetzt nur die 1,5 Punkte geworden...
      Bin aber mal auf deine Rezi gespannt ;)

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  3. Blöd, dass du dich durch das Buch quälen musstest. So macht das Lesen keinen Spaß und dauert ewig, bis man durch ist (oder es kommt mir nur so vor?!).
    Dann wünsche ich dir beim nächsten vorablesen-Buch mal mehr Glück =)

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    1. Ja, da dauert es wirklich ewig, wenn einem das Buch nicht so wirklich gefällt -.-
      Danke, bis jetzt hatte ich dort eigentlich fast nur Glück ;)

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  4. Ich hatte nicht viel erwartet und deshalb auch gar nicht erst an dieser Aktion teilgenommen. Gut zu wissen dass ich nicht großartig was verpasst habe :D
    Schöne Rezension!

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    1. Nein, viel verpasst hast du wiklich nicht^^ Da hattest du wohl zuvor das richtige Gefühl ;)

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Alles Liebe,
Filo ♥